WHY I COULDN’T CARE LESS ABOUT THE HM CONSCIOUS COLLECTION

Am 20.04.2017 war es soweit – vor ausgewählten Stores bildeten sich lange Schlangen und der Onlineshop war zeitweise nicht besuchbar. Die Rede hier ist vom Textilriesen H&M und seinen allseits beliebten Kooperationen mit angesagten Designern. Diesmal war es aber kein Designer mit wohlklingendem französischem Namen, den sich H&M in’s Boot geholt hatte, sondern eine Kooperation der anderen Art: H&M x Nachhaltigkeit. Die neue Conscious Exclusive Collection wurde nämlich aus Biobaumwolle, Recycling-Polyester, Recycling-Polyamid und der aus Holz-Zellstoff gewonnenen Faser Tencel gefertigt. Nicht ausschließlich, aber zumindest anteilig.

Green Washing oder ein Schritt in die richtige Richtung?

Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen. Aber rollen wir das Thema H&M und Nachhaltigkeit doch ‘mal von weiter hinten auf. Denn: Wie kann Fast Fashion, ein Geschäftsmodell, das sich damit rühmt, dem Konsumenten so gut wie jede Woche neue Kollektionen zu einem Spottpreis anzubieten, als nachhaltig betitelt werden? Ist H&M wirklich schon so grün, wie es vorgibt zu sein oder ist auch diese Verkaufsstrategie nur der kapitalistischen Intention geschuldet, eine Menge Geld aus dem “Trend” Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu schlagen?

H&M hat in der Vergangenheit Kampagnen wie „longlivefashion“ oder die „Conscious Collection“ in’s Leben gerufen. Alte Klamotten können bei H&M gegen Gutscheine eingetauscht werden. Laut H&M werden diese Kleidungsstücke dann recycelt. Außerdem wurde vor Kurzem eben eine nachhaltige Kollektion herausgebracht, die sich durch den Einsatz von Bio-Baumwolle und anderen umweltschonenden Materialien auszeichnet.

H&M und das Thema Recycling

Das Problem an dem Ganzen: „Nur ein Prozent dessen, was an Altkleidern gesammelt wird, lässt sich momentan wirklich als Recycling-Faser in neue Kleidung mischen. H&M nährt die Illusion, es handle sich um gewaltige Mengen, betreibt aber Recycling im Maßstab eines Reagenzglases. Diese Recyclingwoche von H&M ist eine Woche der Illusionen.“

– Konsumentensprecherin Nunu Kaller von Greenpeace in Österreich

Was man bei solchen Versuchen, in die nachhaltige Richtung zu gehen zudem nicht vergessen sollte: H&M hat in der Vergangenheit für allerhand skandalöse Schlagzeilen gesorgt. Dazu zählen Steuervermeidung, zu geringe Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und das Shreddern von nicht verkaufter Kleidung. Und genau dieses Unternehmen möchte jetzt also in den Kampf gegen Mülldeponien ziehen, Statements zur Schonung von Resscourcen abgeben und mit Sprüchen wie “Don’t let fashion go to waste” um sich werfen?

Was man H&M zugute halten muss

Betreibt H&M nun also Greenwashing? H&M selbst betont die große Bedeutung von Nachhaltigkeit und verweist auf den selbst herausgegebenen „Sustainability-Report“. Das Unternehmen hat sich zudem einer Greenpeace-Kampagne zur Vermeidung giftiger Chemikalien angeschlossen und als erster Textilkonzern krebserregende Chemikalien und PFC, das den Hormonhaushalt durcheinander bringt, aus seinem Herstellungsprozess verbannt. Selbst die Organisatoren der „Fashion Revolution Week“ finden die Nachhaltigkeitsbemühungen von H&M in den Bereichen Bildung, Transparenz, Löhne und Umwelt lobenswert. H&M ist zudem einer der weltweit größten Abnehmer von Biobaumwolle.

H&M und die Nachhaltigkeit: Wenn da nicht das große “Aber” wäre

ABER: H&M möchte als börsennotierter Konzern natürlich seine Gewinne und Umsätze steigern. Und die Milliardengeschäfte dieser Welt macht man nun ‘mal nicht mit Umweltschutz. Dem Kunden den Hauch eines guten Gewissens zu verschaffen und genau damit Geld zu erzielen – was am Ende von all den guten Ansätzen übrig bleibt ist diese ernüchternde Erkenntnis.

Und dann gibt es da ja noch den Rabatt von 15% auf den nächsten Kleiderkauf bei H&M, wenn man seine Altkleidung dort abgibt. Recycling soll also dazu führen, noch mehr neue Fast Fashion in Umlauf zu bringen? Inwiefern das mit einer Nachhaltigkeitsstrategie in Einklang steht, wird mir wohl niemand schlüssig erklären können.

PS: Dieser Beitrag ist quasi eine Abrechnung. Die Abrechnung zwischen mir und dem schwedischen Textilriesen, der mir in meiner Fast-Fashion-Vergangenheit trotz “kleinen” Preisen horrende Summen an Geld aus der Tasche gezogen hat.

Dem schwedischen Textilriesen, der mir in meiner Einfältigkeit mit strahlenden Models und trendigen Schnitten weismachen wollte, dass ich auch das fünfte Top in Pastellfarben brauche.

Dem schwedischen Textilriesen, der mit seinen SALE-Angeboten meinen Kleiderschrank aus allen Nähten platzen ließ.

Dem schwedischen Textilriesen, dem ich es zu verdanken habe, dass ich mir irgendwann gedacht habe: “WTF mache ich hier eigentlich?! Ich kann meinen Kleiderschrank wegen den ganzen Klamotten darin nicht mehr richtig schließen und habe trotzdem nichts anzuziehen?!”

Also in gewisser Weise, ja in gewisser Weise muss ich auch “Danke” sagen.

Danke H&M, dass du mir mit deiner ausbeuterischen Unternehmenspolitik meine eigene Maßlosigkeit vor Augen geführt hast.

Ich bin eine Spielverderberin, ich weiß. Aber man könnte auch sagen, meine Prioritäten haben sich verschoben. Ich möchte natürlich niemandem vorgeben, was er zu tun oder zu lassen hat. Also lassen wir diese Worte hier einfach so stehen, wie sie stehen – und jeder kann sich seine eigenen Gedanken dazu machen.

Alle Bildrechte liegen bei Hennes&Mauritz.

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  • Ein sehr interessanter Beitrag 🙂
    Grundsätzlich gehe ich gerne bei H&M shoppen. Wenn ich jedoch nachhaltige Mode kaufen möchte, gehe ich doch lieber in die kleine Boutique nebenan. Ab und an unterstütze ich sie gerne. 🙂

    Liebe Grüße
    Rebecca

  • Ciao!
    Genauso sollten wir doch alle denken, oder? Wenn ich ehrlich bin war ich sehr lange nicht mehr bei HM. Irgendwie sieht es bei uns in der Stadt aus wie auf einem Bazar und ich bin doch….eine Lady!?
    Danke für den schönen Beitrag!!!

    Liebe Grüße,
    Alexandra.

  • Liebe Eva,

    danke für den Beitrag! Es gibt schon genügend Blogger, die dem Textilriesen auch weiterhin noch mit massenweise Werbung, unterstützen. Für mich ist H&M ein scheinheiliges Unternehmen, ähnlich wie IKEA … ich kaufe nur in Ausnahmefällen (nie sage ich jetzt auch nicht) bei H&M.

    Liebe Grüße aus Wien
    Verena

  • Auch ich muss gestehen, gehe ab und zu ganz gerne bei H&M einkaufen. Je älter ich werde, desto seltener werden jedoch die Besuche, weil ich bei einigen Teilen mehr Wert auf Qualität lege. Dein Beitrag ist sehr interessant und regt zum Nachdenken an.

  • Liebe Eva,

    ein toller und vor allem kritischer Beitrag. Ich muss sagen, dass ich selbst schon ewig nicht mehr bei H&M war oder dort eingekauft habe. Weil die Qulität bei so vielen Teilen einfach gar nicht mehr stimmt, was soll man aber auch bei der Produktion erwarten?
    Bei der Debatte bin ich ehrlich gesagt irgendwie hin- und hergerissen. Ein paar Schritte in die richtige Richtung gab es inzwischen, ob dies nur aus Marketinggründen passiert, kann ich nicht nachvollziehen. Jedoch denke ich, dass diese kleine Schritte vielleicht auch besser sind, als gar nichts zu tun. Ein wirklich schwieriges Thema.

    Liebste Grüße,
    Elisa
    http://www.elisazunder.de

  • Sehr guter und kritischer Beitrag. Deine Argumente sind total berechtigt. Viele Menschen fallen auf solche Marketingmaschen rein. Ähnliches Beispiel Mc Donald’s, die jetzt ihr ganzes Design auf grüne Farben und Akzente geändert haben, um zu vergeben wie schlecht eine dauerhafte Ernährung des Fast foods ist. Würde mich freuen, wenn du mal bei mir vorbeischaust. 🙂 http://www.theresarch.com
    Lg Theresa

  • Liebe Eva,

    ein toller Beitrag, den ich aus vollstem Herzen und mit dickem grünen Stift dreifach unterschreiben kann! Schön, dass du so klare Worte findest und zum Nachdenken anregst. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

  • Ich bin durchaus regelmäßig Kunde bei H&M, meistens wenn es um bestimmte Trendteile geht, bei denen man sowieso weiß, dass man sie nicht oft tragen wird. Deine Gedanken zu diesem Thema regen aber zum Nachdenken an…

    Liebste Grüße
    Deine Romi
    von http://www.romistyle.de

  • Hallo Eva,

    es freut mich Dein kritischen und aufklärende Beiträge über Fast Fashion zu sehen. An dieser Stelle gehören die gelben Emoji Hände die klatschen 🙂

    Ich habe letztens gelesen, dass es beim Leser trotz negativem Inhalt wie eine Art Werbung funktioniert wenn man die gängigen Label Namen verwendet. Das kann man natürlich schwer vermeiden, wenn man über eine konkrete Firma spricht! Ich habe mich nur etwas gewundert, dass es am Ende des Artikels ein Linke zum Onlineshop gibt… Muss man das rechtlich so machen?

    Liebe Grüße,
    Cherie

    • Liebe Cherie,

      danke für dein Feedback! Du hast aber recht, der Link ist eher fehl am Platz, habe eigentlich nicht so wirklich darüber nachgedacht, als ich ihn gesetzt habe. Wollte nur eben einen Urheberrechtshinweis machen – habe das jetzt aber ein wenig abgeändert 🙂

      Und zu Nennung der Firma: Ich wollte einfach gerade heraus sagen, was ich davon halte, ohne viel umschreiben zu müssen. Dass ich damit evtl. auch ein wenig “Werbung” für H&M gemacht habe, muss ich wohl in Kauf nehmen – es zeigt ja wieder nur wie fortgeschritten die Manipulation durch Werbung schon ist, wenn sogar ein negativer Artikel als solche aufgefasst wird.

      Alles Liebe,
      Eva

  • Toller Beitrag!
    ich muss zugeben, dass ich in letzter Zeit selten bei H&M gekauft habe. Ich glaube letztes Jahr zum letzten Mal. Aber drin bin ich dann doch manchmal, ich scheine aber meinen Blick darauf auch etwas verändert zu haben. Wo ich früher alles mitgenommen hätte, was mir auch nur halbwegs gefiel, bin ich heute wählerischer. Ich kaufe wirklich nur noch das, was mich 100& überzeugt. Da fällt H&M dann leider oft raus, obwohl sie zu meinem Studentenbudget eigentlich ganz gut passen würden 😀
    Mittlerweile ist mir die Langlebigkeit meiner Kleidung aber einfach wichtiger geworden. Und die ist bei H&M meistens dann doch eher nicht gegeben…
    Von dieser Recycling-Aktion war ich eigentlich positiv überrascht, aber nun ja. Ich wusste halt auch nicht, dass man nur so wenig recyclen kann…. 😀
    Liebe Grüße,
    Leni 🙂
    http://www.sinnessuche.de

  • Klasse Beitrag, den ich gleich mal via Facebook und Twitter teilen werde. 😉

    Trotz “Fashionbloggerin” hatte ich immer innerlich gespürt, dass das doch eigentlich nichts für mich ist.. dieses ständige schreiben über neue Trends.. und dann ständig neue Klamotten kaufen. Das war und bin ich bis heute nicht.
    Seit ich vor knapp 6 Monate komplett auf Fair Fashion sowie Naturkosmetik umgestiegen bin, vermisse ich nichts von den konventionellen Dingen.

    Fakt ist, dass ich das ganze genauso sehe wie du. Und daher den Beitrag unterstütze.

    Liebe Grüße
    Laura

    http://www.the-ognc.com

  • Sehr interessantes Thema, ich muss offen zugeben, dass ich mich bisher nicht sonderlich mit Nachhaltigkeit außeinander setze, wobei ich trotzdem versuche bedacht zu kaufen. Ich kaufe Sachen eigentlich NIE nur um sie einmal zu shooten, wie manche Blogger es tun, sondern meist mit der ehrlichen Intention sie so lange es geht bzw bis sie halt wirklich “kaputt” sind zu tragen. Was ja doch zumindest ein wenig nachhaltig ist, denke ich!:)
    Liebe Grüsse
    Eva

    http://www.eva-jasmin.de

  • Ein sehr guter Post! Früher bin ich auch immer zu H&M gerannt und habe mich “besonders gut” gefühlt, wenn ich ein Teil aus der nachhaltigen Linie gekauft habe… mittlerweile sehe ich es auch viel kritischer und kann mich nicht richtig entscheiden ob ich es gut finden soll, dass sie (im Gegensatz zu vielen anderen Firmen) wenigstens einen Schritt in die richtige Richtung machen, oder ob ich es heuchlerisch finden soll, insbesondere wegen dem Fakt, dass deren Recycling dazu führen soll, noch mehr neue Fast Fashion in Umlauf zu bringen wegen den Rabatten, das macht dann irgendwie keinen Sinn?! Ich gehe mittlerweile auch viel bewusster einkaufen und versuche mich mehr und mehr von den Fast Fashion Shops zu entfernen.

    Liebe Grüße
    Jil von http://www.jillepille.com