ÜBER DIE STARBUCKSISIERUNG DIESER WELT

Ich ertappe mich immer wieder selbst dabei.

Dabei, wie ich dazu beitrage, dass unsere vielfältigen, einzigartigen Städte, Lebensräume von so vielen Individuen, sich Schritt für Schritt in einen Einheitsbrei verwandeln.

Riesige Einkaufszentren, voll von Filialen der immergleichen Konzerne, für deren Bau man häufiger schneller eine Genehmigung bekommt als für die Installation einer Solaranlage am eigenen Grund. Einkaufsstraßen, auf denen man alle paar Meter die gleichen riesigen Verkaufshallen der Textilriesen, wie H&M, Zara & Co. findet.

Schnell noch einen Coffee-to-go beim McDonalds holen, kostet ja immerhin nur 1 Euro. Bei Vapiano zu Mittag essen, geht schnell und man spart sich das Kochen. Die Brötchen für’s Früshtück flott beim Billa geholt, ist ja schließlich gleich um’s Eck bzw. wie in meinem Falle im selben Haus. Lust auf neuen Lesestoff? Einfach bei Amazon nach Genre filtern, die Rezensionen lesen und klick – das Buch ist auf dem Weg zu mir.

Über Klonstädte und verlorene Lebenszeit

In der Nähe meiner Wohnung hat kürzlich ein kleiner Greißler zugesperrt. Ich habe ab und an dort Gemüse gekauft, wegen der angenehmeren Öffnungszeiten und meinem Unvermögen an Vorausplanung bin ich dann aber doch immer wieder beim Billa gelandet anstatt dort. Wenn ich aber dort war, habe ich mich nett mit dem Inhaber unterhalten, Empfehlungen bekommen, welche Gemüsesorten am Besten zusammen in einer Suppe schmecken oder wie man am einfachsten Knoblauch schält. Es war eine freundliche, fast schon familiäre Affäre, man hat sich einfach willkommen gefühlt. Beim Billa habe ich mich noch nie willkommen gefühlt. Grimmige Blicke von gestressten Kassierern treffen mich und wenn ich zu langsam durch die schmalen Gänge mit den viel zu vielen Lebensmitteln schlendere, werde ich von hinten angeremepelt, weil jemand vorbei will, um der Erste an der Kassa zu sein. An der Kassa muss dann der Betrag schon in Cent genau ausgezählt sein bzw. die Bankomatkarte gezückt, damit der ganze leidige Einkaufsprozess ja nicht allzu lange dauert, es könnten immerhin wertvolle Sekunden verloren gehen.

Wir schreien alle nach Entschleunigung, nach den kleinen Dingen des Lebens, die uns glücklich machen. Und trotzdem tun wir uns tagtäglich diese riesigen Einkaufshallen mit all ihren materiellen Versuchungen an.

villa mundus sophisticated sisters lifestyle food happy 3

Aber warum eigentlich?

Weil wir trotzdem alles sofort haben wollen. Alles muss jederzeit verfügbar und möglichst billig sein. Auf den Coffee-to-go ein paar Minuten zu warten, um ihn richtig schön aufzubrühen, scheint wie eine quälende Ewigkeit, verlorene Lebenszeit. Das Mittagessen selbst mit frischen Zutaten vom Gemüseladen zuzubereiten wäre eine angebliche zusätzliche Belastung im stressigen Arbeitsalltag. Wenn dir um 03:00 Uhr morgens einfällt, dass du noch Brot für das Frühstück brauchst, muss eine Supermarkt-Kette her, die 24 Stunde geöffnet hat.

Und so verschwinden sie, still und heimlich, all die bunten Greißler, schrulligen Buchläden, duftenden Bäcker, süßen Cafés, kreativen Bekleidungsgeschäfte – weil keine Nachfrage danach mehr da ist und die großen Konzerne sie mit unermüdlichen Preiskämpfen in den Boden gestampft haben.

Das Übel nimmt auch auf Reisen in ferne Ländern kein Ende: “Gehen wir zum Starbucks einen Kaffee trinken, da kenn’ ich schon die Sorten”. Anstatt sich in ein lokales, einzigartiges Café zu setzen, dass es wahrscheinlich so sonst nirgends auf dieser Welt gibt und etwas auszuprobieren, das man noch nicht kennt. Reisen, um Neues zu entdecken, andere Kulturen kennenzulernen? So wohl nicht.

Lokal statt global

Diese fortschreitende “Starbucksisierung”, wie es Tom Hodgkinson in seinem “Handbuch für ein schönes Leben” so treffend formuliert, ist mir ein Dorn im Auge – auch wenn ich mich selbst immer öfter an der Nase nehmen muss, um nicht zu “convenient”, zu bequem, zu agieren. Dennoch versuche ich es immer öfter, regional und lokal zu konsumieren. Jeder Einkauf, den wir in einem kleinen Laden tätigen oder jede Mahlzeit, die wir in einem kleinen, familiären Restaurant zu uns nehmen, hilft den regionalen Händlern ihre Existenz zu sichern und unsere Städte bunt und vielfältig zu erhalten.


Spezialitäten aus aller Welt, ohne die Heimat verlassen zu müssen

Passend zu der Thematik habe ich gleich einen lokalen Restaurant-Tipp für die Innsbrucker unter euch: In der “Villa Mundus“, einem recht neuen Lokal nahe der Innsbrucker Innenstadt wird unter dem Motto “No Border Kitchen” aufgetischt – dabei wird großer Wert darauf gelegt, dass vegetarisch sowie vegan gekocht wird und dass dafür gesorgt ist, dass vollwertiges, nahrhaftes und gesundes Essen auf den Teller kommt.

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Die sich ständig wandelnde Küche, welche alle vier Monate eine andere Region dieser Welt in den Fokus stellt, sorgt dafür, dass es in der Villa Mundus regelmäßig etwas Neues zu entdecken gibt. Gekocht wird nach Originalezrepten, welche vom bunten Villa Mundus Team zusammengetragen werden. Ob im farbenfrohen, liebevoll gestalteten Restaurant selbst oder draußen auf der großen Sonnenterrasse – die Villa Mundus ist ein Ort menschlicher und kulinarischer Vielfalt und lädt zum Verweilen sowie Genießen ein. Momentan wird man übrigends mit afghanischen Spezialitäten verwöhnt.

Villa Mundus

Fürstenweg 7, 6020 Innsbruck
Öffnungszeiten: Mo-Fr 11:00-23:00 Uhr
Telefonnummer: 0512 273844

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  • hey, ich gebe dir absolut recht. es ist sehr schade, das kleine ladengeschäfte, cafes oder restaurants den grossen unterlegen sind und schließen, wobei ich lieber in die kleinen läden gehe und stöbere und mich in ein cafe mit flair setze.
    liebe grüße!

  • Der Artikel hat mir sehr gefallen und ich teile absolut eure Meinung. Wir entwickeln uns zu Robotern, die den Prototyp-Zielen der Konzerne nachhinken.

    Der Style wird identischer mit allen anstatt dass alles ein bisschen individuell bleibt. Wir sind Mitläufer/Sklaven des Systems und solange wir uns darüber nicht bewusst sind, können wir auch nicht zu einer besseren Welt beitragen.

    Gut zu wissen, dass es Gleichgesinnte wie euch gibt, die das Auge fürs’ Detail nicht verlieren wollen.

    Danke und machts weiter so

  • Toller Post! Ich teile total deine Meinung, bei Starbucks war ich glücklicherweise erst einmal in meinem leben. Irgendwie fand ich den schon immer unsympathisch, McDonald’s und Co boykottiere ich seit mehreren Jahren, zu billa gehe ich aber trotzdem. Vielleicht weil ich meinen billa ums eck einfach total gerne mag. Die Verkäuferinnen sind eigentlich total lieb und immer super freundlich und nie ist dort jemand gestresst, außer die Leute in der Kassenschlange die dann immer laut vor schreien “neue kassa aufmachen!”. So was find ich nervig… Aber die Kassiererinnen lassen sich nie von denen Kleid krigen. Das ist aber wahrscheinlich von billa und billa sehr unterschiedlich. Aber ja, ich solle wohl auch öfter in den türkischen Laden gegenüber gehen, der meistens sogar bessere Obst Auswahl hat. Aber man will ja immer alles auf einmal haben….
    Ich werde zukünftig da mehr drüber nach denken…

  • Hallo, ihr beiden!
    Ich glaube, das, was da allmählich passiert, kann man gar nicht besser in Worte fassen als ihr das mit diesem Artikel getan habt. Und ich finde das genauso schade wie ihr – und setze ebenfalls mein kleines, persönliches Zeichen dagegen, indem ich nicht mehr in den Supermarkt gehe und nur noch beim kleinen Gemüsehändler um die Ecke oder auf dem Wochenmarkt und im unverpackt-Laden einkaufe.
    Ich finde, solche Orte müssen so dringend bewahrt werden, weil sie uns ein bisschen Entschleunigung bieten – das ist ein wichtiges Stichwort, das ihr gebracht habt. Und es hat mich ein bisschen an die Welt der Grauen Herren in “Momo” erinnert – euch auch?

    Wir sollten es nicht so weit kommen lassen in unserer Zeitspar-Manier und uns wieder auf schöne kleine Dinge im Leben besinnen. Das klingt abgedroschen und tausendmal gesagt (ist es wahrscheinlich auch), aber das glaube ich wirklich.

    Liebe Grüße
    Jenni

  • Ach das ist ja das Restaurant, dass ich bei dir schon auf Instagram gesehen hatte. 🙂 Ich habe mich schon so gut es geht umgestellt, aber auf Reisen zwischen Städten hin und her hole ich mir dann doch öfter mal Cola und Pommes beim McDonalds an der Autobahn… Kleine Einkaufsläden gibt es hier in Rostock so gut wie gar nicht, ich kaufe auf dem Markt und wenn das Geld nicht so gut reicht den Monat, dann gehts zu Lidl, da man immerhin Obst und Gemüse dort auch unverpackt bekommt. Läden die 24h offen haben gibt es bei uns nicht. Am längsten öffnet Rewe, der hat manchmal bis 23 Uhr auf. Ansonsten unterstützen wir hier beim Essen gehen immer die lokalen Läden falls mal jemand in Rostock ist: Wir haben hier einen Laden der Vegangster heißt und vegane Burger, veganes Gyros etc. serviert, das einfach mal oberlecker schmeckt!!

  • Liebe Eva,
    Was ein Beitrag !
    Wir haben eh schon ein paar Mal darüber geredet, aber ich finde es super, dass du es noch einmal direkt auf dem Blog verfasst.
    Ich kann dir in allen Punkten nur zu 100% recht geben.
    Was ich persönlich aber noch schade und ärgerlich daran finde ist, dass sich großteils der Menschen nicht einmal bewusst ist, was sie eigentlich nurch ihren morgendlichen 1 Euro Kaffee alles so auslösen, was sie mit ihren Taten bewirken und wie sie selbst dazu täglich Beitragen wie Roboter zu leben !

    Liebe Grüße,
    Vivi <3
    vanillaholica.com

  • Ich möchte euch von ganzem Herzen für diesen Artikel danken, den ich auch unbeding gleich weiterteilen muss. Auch ich denke, dass es unheimlich wichtig ist, diese kleinen aber oftmals sehr feinen Läden zu unsterstützen, indem wir wieder anfangen auf Klasse statt Masse zu setzen. Dazu gehört natürlich auch, was Jenni schon angesprochen hat! Einfach mal wieder entschleunigen und da ist auch egal, wie oft dies schon gesagt, geschrieben oder wie auch immer wurde.

    Ganz liebe Grüße
    Rebecca