BODYSHAMING – DAS MUSS JETZT ‚MAL GESAGT WERDEN.

Es kommt recht selten vor – meistens bin ich ein sehr entspannter Mensch – aber bei manchen Dingen hört selbst bei mir der Spaß auf. Dies geschieht vor allem in Bezug auf sinnlose Ungerechtigkeiten, z.B. beim Thema Bodyshaming. Und genau so eine Ungerechtigkeit – wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt – ist mir vor Kurzem untergekommen. Dieses Mal muss ich meinem Unmut ein wenig Luft machen. Was der Anlass dafür war und was ich dazu zu sagen habe, erfahrt ihr in diesem Post.

Kurz zu meiner Vorgeschichte in Sachen Toleranz: Ich habe mich noch nie an Personen, die mehr auf den Hüften haben als ich gestört. Vielen Frauen stehen Rundungen und Kurven wirklich sehr gut, da stimme ich vollkommen zu. Mir käme es nie im Leben in den Sinn, einer molligeren Person vorzuwerfen, sie mache etwas falsch oder solle doch bitte abnehmen. Mir ist es schlicht und einfach egal, wie andere ihr Leben führen und was sie mit ihrem Körper machen – ob sie jeden Tag zwei Stunden täglich im Fitnessstudio verbringen oder ihr Leben lang noch nie in einem Laufschuh gesteckt haben. Mehr noch: In der Grundschule habe ich Mobbingattacken gegen dickere Mitschüler immer versucht abzuwehren.

Außerdem empfinde ich es als großen Schritt in die richtige Richtung, dass endlich thematisiert wird, dass auch Frauen mit Kurven wunderschön, Geschmäcker verschieden sind und jeder das Recht darauf hat, der zu sein, der er oder sie ist bzw. der er oder sie sein will. Man kann mir also wirklich keine „Anti-Plus-Size-Einstellung“ vorwerfen.

Was ist also mein Problem?

Nun ja: Kürzlich jedoch habe ich in einer lokalen Frauenzeitschrift den Artikel einer (sich selbst so bezeichneten) „Plus-Size-Lady“ gelesen, in dem es um die fehlende Auswahl an Kleidung in Übergrößen in herkömmlichen Klamottenläden ging – und dass man online glücklicherweise sehr wohl fündig werden würde. Bis hierher ja alles schön und gut.

Es war jedoch dieser eine Satz, der mir sauer aufstieß. Die Autorin freute sich also in besagter Passage über die Tatsache, nun doch tolle Shops gefunden zu haben, die Plus-Size führen.

Wunderschöne, strahlende Durchschnittsfrauen“ lachen ihr auf den dort gezeigten Fotos entgegen, statt ausgehungerter Kleiderständer, die sich dazu herabgelassen haben, sich in Zelten ablichten zu lassen.“

Na bumm.

Bodyshaming funktioniert in beide Richtungen

Man stelle sich vor, eine schlanke Autorin schreibt einen Artikel, in dem sie molligere Frauen als „vollgefressene Wurstpellen“ oder ähnlich Beleidigendes bezeichnen würde. Der Shitstorm gegen diese Person wäre wohl unendlich. Als kurviger Mensch darf man sich aber anscheinend ohne schlechtes Gewissen herablassend gegenüber schlankeren Mitmenschen verhalten.

Diese „Hungerhaken“, wie so oft bezeichnet, haben nämlich keine Gefühle. Und dass die „Bohnenstange“, über die man sich auslässt, vielleicht Komplexe wegen ihrer zu kleinen Brüste hat, ist schließlich auch bedeutungslos.

Natürlich muss man der guten Ordnung halber festhalten, dass so manches Magermodel seiner Gesundheit keinen Gefallen tut und auch kein Vorbild für junge, ungeformte Persönlichkeiten sein sollte. Und natürlich haben es Übergewichtige häufig schwerer, sei es in Sachen Mobbing oder auch bei dem schon erwähnten Kleidungskauf. Trotzdem gibt das niemandem das Recht, dünne Menschen als ausgehungert bzw. als Kleiderständer oder sonst irgendwie zu bezeichnen.
Und genauso halte ich der guten Ordnung halber fest, dass übermäßiges Übergewicht ebenfalls der Gesundheit schaden kann.

Auch ein Klassiker: „Iss doch bitte ‚mal etwas“ oder „Was sind das denn für Zahnstocherbeinchen?“, „So ein Flachland!“ oder „Das ist doch schon krank“ als Kommentare unter Bildern auf Instagram, Facebook und auch im realen Leben. Es wäre dasselbe, wenn ich als schlanker Mensch ähnlich taktlos schreiben würde: „Iss doch bitte weniger – du bist krankhaft übergewichtig“.

Würde das jemand tolerieren? Wohl eher nicht.

„Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu“, wird uns als Kindern schon gelehrt. Wann haben wir dieses Sätzchen mit großer Bedeutung eigentlich wieder komplett vergessen?
Bodyshaming geht in beide Richtungen. Betreiben wir es doch am Besten in keine.

Weitere interessante Artikel zum Thema Bodyshaming: „Was Body Shaming mit uns Männern macht“ von VICE und das Interview der Wienerin mit der Mamaboggerin Ivy Meyer, der vorgeworfen wurde, sie wäre nicht dick genug, um ihren Körper als „After Baby Body“ zu betiteln und sich an den paar Pfunden zu viel zu stören.

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  • Ha, DAS finde ich mal gut! Ich kannte im Studium nämlich eine junge Frau, die trug unter ihren Jeans extra ein dicke Jogginghose, damit ihre Beine nicht so dünn aussahen! Eine andere Bekannte hat einfach einen sehr zarten Körperbau und wirkt nahezu Elfengleich. da hörte man auch oft: Die ist doch magensüchtig. Ist sie nicht! Ich selbst habe eine normale Figur. Obenrum etwas schlanker als untenrum 😀 . Ich nehme zum Beispiel immer ab, bei Stress. Und ich muss richtig viel Essen. Wenn ich unterzuckert bin, werde ich agro. Mal habe ich mehr Appetit, mal weniger. Ich esse, wie es sich richtig anfühlt. Aber in meiner Familie väterlicherseits ist Übergewicht ein Thema. Und meine Schwester, als auch ich mussten uns bei Familienfesten immer anhören: "Jetzt esst doch mal vernünftig. Wenn man nur Salat isst, kann ja nix an euch dran kommen!" Und wir aßen 2 bis drei Teller Gemüse und Kartoffel und eine Scheibe Fleisch und fanden das viel und ausreichend. Wir mochten einfach nicht 5 Scheiben fettigen Schweinebraten. Das hat mich echt auf die Palme gebracht und richtig genervt.
    Lg

    • Kann ich nachvollziehen, liebe Beatrice, gegen Beginn meiner Pubertät war ich extrem schlank, hatte absolut keine Kurven, aber habe immer so viel gegessen bis ich satt war und mich wohlgefühlt habe. Dass das ab und zu vielleicht weniger war als bei anderen kann natürlich sein, aber ich habe nie das Bedürfnis gehabt zu hungern oder gar abnehmen zu müssen. Ich war einfach immer schlank und habe gegessen worauf ich Lust hatte. Trotzdem habe auch ich mir immer wieder 'mal dumme Sprüche in Richtung Magersucht, fehlende Rundungen, etc. gefallen lassen müssen. Bei meiner Oma verkraft ich's ja noch, aber weder irgendein pubertärer Mitschüler noch eine unbekannte Person im Internet haben das Recht, einen mit blöden Aussagen zu verletzen. Nur weil man schlank ist, heißt das nicht dass man das einfach so easy wegsteckt. Jeder sollte einfach so sein dürfen wie er ist, aber dieser Idealzustand des Zusammenlebens wird wohl leider nie eintreten.

  • Liebe Eva!

    Absolut wichtig – und absolut nachvollziehbar.
    Ich finde es gut, dass du einen Satz aus einer Zeitschrift als Anregung dazu verwendest, einen eigenen Artikel zum Thema zu verfassen – solche Übergänge und Einflüsse verschiedener Medien finde ich immer wieder spannend und faszinierend.

    Ich frage mich ohnehin manchmal (eigentlich frage ich mich das ziemlich oft), was wir eigentlich für Komplexe zu haben scheinen, dass wir glauben, wir könnten die Körper unserer Mitmenschen einfach so immer und immer und immer wieder be- und verurteilen und uns zu gleichsam richterlichen Sprüchen hinreißen lassen. Wer gibt uns bitte dazu das Recht? Und – ganz ehrlich: Wenn man sucht, wird man bei JEDEM fündig. Ausnahmslos. Irgendetwas gibt es immer zu kritisieren.
    Warum können wir uns nicht alle einfach so annehmen, wie wir sind, und uns auf die wichtigen Dinge fokussieren?
    (Von diesen Betrachtungen sind krankhaft abweichende Körperbilder, die auf keinen Fall mehr gesund sein können, natürlich ausgeschlossen – in beide Richtungen.)

    Liebe Grüße
    Jenni

  • Auch ich gebe dir da absolut recht. Man sollte keine Person beleidigen – egal ob dick oder dünn. Jeder Mensch ist zum Glück verschieden und wenn man sich wohl in seiner Haut fühlt, dann können solch kleine Kommentare schon richtig verletzen.

  • Du hast vollkommen recht! Ich finde man darf in keine Richtung beleidigende Kommentare schreiben. Was soll das?! Es gibt auch viele sehr schlanke Frauen, die gerne ein paar Kilos und Rundungen mehr hätten und es einfach nicht klappt!

    Schöner Beitrag!
    Liebe Grüße
    Verena

  • Das ist ein Phänomen, das mir schon häufiger aufgefallen ist: Frauen setzen sich dafür ein, das rundliche Figuren auch endlich akzeptiert werden und degradieren im selben Moment schlankere Frauen. Wieso das sein muss verstehe ich auch nie so richtig…

  • Das hast du sehr gut geschrieben und ich stimme dir absolut zu! Niemand sollte wegen seines Aussehens beurteilt oder herablassend tituliert werden. „Hungerhaken“ oder „Bohnenstange“ ist genauso beleidigend. Nur wird das leider oft nicht so gesehen.

  • Ein sehr guter Kommentar zur aktuellen Situation! Darf ich noch hinzufügen, dass Muskeln auch an Frauen sichtbar sein dürfen, wenn sie es denn wollen? Mein Ding ist das zwar nicht so unbedingt, aber darüber herziehen sollte man genauso wenig, wie über „Dicke“ oder „Dünne“.
    Liebe Grüße,
    Leni 🙂
    http://www.sinnessuche.de

  • Danke für diesen Post. Ich finde es absolut richtig, was du da schreibst. Weder die einen, noch die anderen dürfen wegen ihres Aussehens stigmatisiert werden. Leider ist Bodyshaming schon so krass normal in unserer Gesellschaft, dass das fast niemand hinterfragt, schon gar nicht wenn es gegen dünne Menschen geht. Richtig fies. Aber was will man noch von einer Gesellschaft erwarten, wenn eine Frau in den 30ern das Wort Neger benutzt? Ist gestern erst in meiner Gegenwart passiert. Da fällt man doch echt vom Glauben ab. Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr?!

    Liebst
    Eve von http://www.eveblogazine.com